2. Fachkongress Echtzeitentwicklung - ein Rückblick
Mit dem 2. Fachkongress Echtzeitentwicklung ist es INCHRON am 28. und 29. Juni 2010 gelungen, einen Branchentreff für Fachkräfte der Echtzeitentwicklung in Embedded Systemen zu etablieren, wie ihn die Branche bisher vermisst hat. Das wurde bereits beim vorabendlichen Meet-the-Experts deutlich, bei dem Entwickler, Anwender und Entscheider von Audi, EADS, Airbus oder BMW angeregt mit Infineon, MAN, Siemens und dem Fraunhofer Institut plauderten. Da tauschte Lear Erfahrungen mit ESG, gab man sich wertvollen Rat in Sachen funktionale Sicherheit. Bewährt hat sich das Konzept eines starken Keynote-Speakers beim Vorabend-Event. So bildeten die Rück-, Ein- und Ausblicke des Dr. Michael Würtenberger - Hauptabteilungsleiter Infotainment bei BMW - auf die "Herausforderungen moderner Fahrzeugarchitekturen" ein erstes Highlight der Veranstaltung. En passant trug die als Walking Dinner servierte Nouvelle-Cuisine in der loungigen Atmosphäre des DAILY München zu einem anregenden Auftakt für den 2. Fachkongress Echtzeitentwicklung bei.
Dieser war - wie schon im vergangenen Jahr - gespickt von hochkarätigen Referenten und der Gelegenheit zum intensiven Erfahrungsaustausch. Neu war die Integration einer Ausstellung. So standen den über 100 Teilnehmern neben dem Echtzeitspezialisten INCHRON auch dessen Partner aquintos, ITK Engineering, PikeTec, GIGATRONIK und IBM zur Verfügung, um als Lösungsanbieter das Echtzeitverhalten von Embedded Systemen zu diskutieren.
Uwe Brodtmann, CEO der INCHRON GmbH, eröffnete die Veranstaltung mit dem Fokus auf die gemeinsame Herausforderung, Projektrisiken zu managen. Im weiteren Verlauf des Kongresses zeigten mehrere Fachvorträge, dass das frühzeitige Befassen mit dem Thema Timing unumgänglich wird - und sich entgegen der Meinung von Vertretern herkömmlicher Entwicklungsprozesse zeit- und kostensparend auswirkt! Den Auftakt dazu bestritt Henning Butz, ehemaliger Senior Manager für Aircraft Information Systeme bei Airbus mit seiner Keynote "Neue Methoden und Prozesse im Zentrum der Systems of System-Innovationsstrategie". In einem spannenden Vortrag plädierte er dafür, Timing und Risikomanagement frühzeitig in die Entwicklungsprozesse aufzunehmen. Nur so könnten Echtzeitherausforderungen aktiv gehandhabt werden. In diesem Zusammenhang wies Henning Butz den Produkten von INCHRON - chronSIM und chronVAL - strategische Bedeutung zu.
Dr. Klaus Birken von Harman befasste sich intensiv mit dem Timing in Infotainment-Systemen. Dabei prägte er den Begriff der "Vorausschauenden Systementwicklung" und motivierte das Publikum, sehr frühzeitig eine Bewertung ihrer Systemmodelle vorzunehmen. Die von ihm eingeführte Domain Specific Language (DSL) erlaube durch Modellierung der Ressourcen die frühzeitige Bewertung vieler Aspekte, wie Ressourcenbedarf, Kosten etc. im Modell und dessen Verifikation mit der Realität.
Matthias Kessler bewertete zwei Lösungen, mit denen die Lear Corporation für BMW mittels chronSIM eine neue Runnable mit 2ms in ein hoch kompexes System mit heterogenen Anforderungen integrierte. Der enge Zeitplan des Projekts und die hohe CPU-Auslastung stellten dabei besondere Anforderungen.
Bernhard Augustin, bei Audi zuständig für Zugangssysteme, demonstrierte in seinem Beitrag "Integration von bisher eigenständigen Steuergeräten und Funktionen - Herausforderungen eines Kollaborationsprojektes" am Beispiel eines A8, wie die Anzahl der Steuergeräte und ECUs ständig zunimmt. In seinem Projekt wurde aus bisher drei Steuergeräten verschiedener Domänen eines. Herr Augustin demonstrierte höchst anschaulich die Anforderungen an den Entwicklungs- und Integrationsprozess solcher Body Control Module (BCM).
Auf die Frage "Was bedeutet Echtzeit in der Automatisierungswelt?" gab im Anschluss Dr. René Graf, Gruppenleiter System Platforms bei Siemens, umfassend Antwort. Zunächst definierte er Echtzeit von 100ms bis wenige Mikrosekunden - abhängig von den geforderten Antwortzeiten, um dann auf die Dringlichkeit der Vernetzung einzugehen. Denn, so Dr. Graf, die Synchronisation der einzelnen verteilten Regler müsse über Busse erfolgen.
Dr. Thorsten Molt, Leiter Prozesse Methoden und Tools, berichtete in seinem Vortrag "Architekturmodellierung mit integrierter Performance-Analyse" von zwei Success-Stories, in denen Hella dank modellbasierter Entwicklungen frühzeitig Fehler entdecken konnte. Dabei erläuterte Dr. Molt, wie die Entwicklungsmethodik SPICE die Betrachtung und Dokumentation des dynamischen Verhaltens fordere und wie das integrierte Modell die Kopplung zwischen Rhapsody und chronSIM nutzt.
Den Abschluss der Fachvorträge begannen Thomas Hörbrand und Stefan Teuchert von MAN Nutzfahrzeuge mit einem Vergleich der Anforderungen an den Betrieb von LkWs und PkWs. Bei der Entwicklung ihrer E/E-Architektur und eigenen Steuergeräte leistet ein Backbone das Funktionsdatenmanagement, aus dem das Software- und Dokumentationsmanagement erfolgt. Auf Basis dieser Hintergrundinformationen berichteten die Referenten über die "Software-Architektur eines zentralen Triebstrang-Steuergerätes im Nutzfahrzeug", Power Train Manager (PTM) sowie über Scheduling und Codegenerierung.
Die Kongresspausen nutzten die Teilnehmer zum intensiven Netzwerken. An den INCHRON-Demostationen informierten sie sich über Restbussimulation und die Modellierung verteilter Systeme mit chronSIM. Aber auch die Zusammensetzung von Antwortzeiten und die Analyse gemischt synchroner und asynchroner Systeme mittels chronVAL waren für die Besucher des Fachkongresses Echtzeitentwicklung wichtige Themen.
Fazit des 2. Fachkongresses Echtzeitentwicklung:
Echtzeitentwicklungen werden immer früher auf das Timing ausgerichtet, um alle Aspekte aktiv und frühzeitig managen zu können. Dabei ist klar geworden, dass dies im weiteren Entwicklungsprozess Zeit und Kosten spart. So kann eine Implementierung dank chronVAL und chronSIM innerhalb weniger Tage abgeschlossen und produktiv sein - nach Meinung aller Referenten und Echtzeitexperten eine unbedingte Rechtfertigung für den Tooleinsatz!





